Schneiderpuppen haben nicht mein Maß

Auf dem Weg zu meinem perfekten Brautkleid habe ich nach einer Schneiderpuppe ausschau gehalten. Da gibt es ja nun viele Varianten, aber so richtig passend erschien mir keine. Denn bei ich habe (wie viele Menschen vermutlich auch) nun mal keine Standardmaße, angefangen vom Abstand von Schulter zu Brust, bis zum Taille – Hüfte – Verhältnis. Also bei den wirklich wichtigen Stellen, um die Verhältnisse für den Schnitt korrekt hinzubekommen.

Also brauche ich wohl eine individuelle Schneiderpuppe – eine Anleitung habe ich dann auch bei Burda gefunden und promt 100 m Panzertape gekauft.

Erstmal noch n Kaffee

Um die Schneiderpuppe herzustellen, hat mich also meine Trauzeugin (ja, auch dafür sind treue Freundinnen hervorragend) in Panzertape einwickeln müssen. Da dies etwa eine Stunde stillstehen verheißt, musste ich mir noch fix einen Kaffee gönnen.

Da ich ja nicht eine Komplettenthaarung brauche, ziehe ich zunächst ein eng anliegendes T-Shirt an und dann wird die Ausschnittpartie noch mit Folie eingewickelt. Besser wäre natürlich ein Rollkragen, den hatte ich aber nicht zur Verfügung. Mit der Folie geht es auch ganz gut, nur dass es ein wenig schwitzig darunter wird. Aber was solls.

Los gehts mit der Brustpartie

Zuerst wird die Brustpartie abgeformt. Das Tape muss recht eng aufgetragen werden. Damit die Brust halbwegs korrekt wird, werden die Streifen zuerst schräg geklebt. Ein bisschen kniffelig ist es, dass das Panzertape nicht sehr nachgiebig ist und deshalb immer wieder kleine Falten auftauchen. Man könnte das Tape natürlich einschneiden (wie man das bei Pflastern oder so macht), aber wir haben uns darauf geeinigt, dass es eigentlich nicht so schlimm ist. Viel wichtiger ist doch, dass die Verhältnisse stimmen und am Ende kommt ja auch noch ein Bezug drüber.

In diesem Stadium des Klebens habe ich übrigens noch darüber philosophiert, dass es ja ein richtig guter BH ist und gut hält. Kurze Zeit später habe ich deutlich gemerkt, dass das nicht ganz richtig ist…

Fast fertig

Walkürenpanzer oder Wirbelsäulenkorsett?

Nach der Brustpartie wird der Rest Schicht für Schicht in (mehr oder weniger) waagerechten Streifen geklebt. Und da eine einzige Lage nicht ausreichend stabil ist, müssen leider etwa drei auf den Körper. Spätestens jetzt fühle ich mich eher wie eine Walküre im Panzer oder wie in einem medizinischen Korsett. Was meine Chorleiterin freuen wird: man merkt auch ziemlich gut, wohin man atmet – das ist allerdings auch der einzige Vorteil. Es ist warm unter dem Teil und eng. Aber für meine ganz eigene Schneiderpuppe und vor allem für das Kleid nehme ich das natürlich gerne auf mich…naja. Aber zurück kann ich ja eh nicht mehr.

Nur noch aufschneiden

Als allerletztes muss noch der Halsansatz geklebt werden (vorsicht mit den Haaren!). Das spätestens fordert auch ein gewisses Maß Vertrauen in denjenigen, der klebt. Gott sei Dank ist das bei uns natürlich kein Problem. Aber wenn jemand mit Kleber an der Gurgel herumhantiert…

Aber kurz danach ist es, zumindest was den unbequemen Teil angeht, geschafft. Jetzt wird der Panzer nämlich nur noch mit einer Verbandsschere am Rücken aufgeschnitten und sehr vorsichtig abgestreift. Dabei ist es ein bisschen schwierig, die Folie von der Haut zu bekommen, da hat Marion nochmal gut mithelfen müssen. Aber danach weiß man auch, wie gut es tut, tief in den Bauch atmen zu können.

Ausstopfen

Die Schneiderpuppe muss nun natürlich noch ausgestopft werden. Ich habe dafür zwei alte Decken und ein altes Kopfkissen gebraucht. Wichtig ist, dass sie ordentlich fest ist, sonst hält sie nämlich nicht aufrecht und auch nicht die Form. Bei den Rundungen erfordert das ein bisschen Gefühl, damit sich die Puppe nicht verformt. Der Vorteil des Panzertapes ist, dass es nicht prinzipiell nachgibt, aber es ist natürlich nicht so fest, wie Gipsbinden.

Nach dem Stopfen habe ich noch einen Boden aus Pappe ausgeschnitten und mit ebenfalls ordentlich viel Tape befestigt. Außerdem habe ich aus einer alten Schneiderpuppe die Befestigung für den Höhenverstellbaren Fuß mit eingebaut, um die Befestigung auf zu erleichtern.

Die fertige Schneiderpuppe –

das vorläufige Endergebnis

So sieht die Schneiderpuppe also auf dem Fuß aus, allerdings noch ohne Bezug.

Fazit: Mit der richtigen Person macht die Aktion schon Spaß und tatsächlich ist das Ergebnis erstaunlich gut. Auch Stecknadeln können in die Puppe gesteckt werden, was nach meiner Erfahrung von ernormem Vorteil ist. Die Arbeit dabei ist allerdings schon speziell – Meine Trauzeugin hat mir zwar versichert, dass es nicht schlimm anstrengend war. Aber ich muss das auf jeden Fall nicht täglich wiederholen :-).

Vielen lieben Dank an Marion – fürs Kleben und für die Fotos!

Schneiderpuppe selbstgemacht
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